Der Wushu Guan und das Shaolin Wushu Hotel.
Seit 1999 trainieren wir regelmäßig im Wushu Guan und wohnen im Shaolin Wushu Hotel, das auf dem selben Grundstück gelegen ist. Das Hotel, entstanden in den 1980ern, hatte zwischenzeitlich Jugendherbergscharme und legte seinen Gäste manche Improvisationsaufgabe auf. Die Zimmer sind einfach, mit Bad und WC sowie einem kleinen Balkon ausgestattet. Die talwärts gelegenen Zimmer haben die schönere Aussicht, man wird dort von der aufgehenden Sonne (und zu früheren Zeiten auch von der lauthals gesungenen Schulhymne der Wushu Schulen) geweckt; im Frühjahr scheint die Sonne bis zum frühen Nachmittag auf den Balkon.

Die sanitären Anlagen funktionierten - sagen wir - unterschiedlich gut. Reparaturen wurden nur gelegentlich und dann auch nicht fachmännisch vorgenommen. Eine besondere Schwierigkeit liegt darin, dass Heißwasser nur auf Anforderung in der Wasserfabrik bereitet wird; sie liegt ca. 2 km vom Wushu Guan entfernt, noch hinter dem Shaolin-Tempel, und wird mit Steinkohle beheizt. Regelmäßig stand so heißes Dusch- bzw. Badewasser von 20.00 bis 22.00 Uhr zur Verfügung. Nach Absprache mit der Leitung des Wushu Guan konnten wir dann aber eine weitere Duschzeit am Morgen durchsetzen. Alle Erschwernisse wurden ausgeglichen durch die gute und freundliche Versorgung im nahe gelegenen Restaurant. Die große Anzahl europäischer Gäste, von denen offensichtlich nicht alle ernsthaft an chinesischer (Eß-) Kultur interessiert sind, hat dazu geführt, dass die hervorragenden Köche nun auch einige importierte Gerichte anbieten; im Shaolin Wushu Restaurant haben wir die weltbesten, weil aus frischen Kartoffeln hergestellten Pommes Frites gegessen. Kartoffeln werden ansonsten eher als Gemüse zubereitet. Ich hoffe nur, dass mir der Anblick von Schweineschnitzeln auf den Restauranttischen auch in Zukunft erspart bleibt. Die chinesische Küche des Restaurants ist hervorragend und auch abwechslungsreich, viel Gemüse, Kurzgebratenes und Suppen halten die Kampfkünstler fit.

Seit 2002 geschehen große Dinge im und um den Wushu Guan, erhebliche Investitionen wurden getätigt, um z. B. die öffentliche Toilette im Hof und den davor gelegenen kleinen Park zu sanieren, modernisieren und dekorieren. Wir persönlich bedauern, dass die Holzpfosten für's Geschicklichkeitstraining durch Betonpfähle ersetzt wurden und unser ehemaliger Bolzplatz einem Podest für eine Bodidharma-Plastik und mehrere Steintafeln weichen musste. Wenn nun auch die Ausstattung der Zimmer Drei-Sterne-Niveau erreichen würde, wären wir allerdings einverstanden.
