Der Shaolin-Tempel in Henan, China.

Wenn wir über den Shaolin-Tempel in China sprechen, ist meistens der Nördliche Shaolin Tempel in der Provinz Henan gemeint, seltener der Süd-Shaolin Tempel in Fujian. Informationen über weitere Tempel gibt es hier. Der nördliche Shaolin-Tempel liegt auf der Westseite des Shao Shan, gegenüber dem heiligen Songshan Berg. Seine Geschichte von über 1.500 Jahren macht es nicht leicht, Mythen und Fakten zu trennen. Wir sind uns dieser Tatsache bewusst und wollen es dennoch versuchen.

 

Der Shaolin-Tempel heute

Der Shaolin-Tempel in Henan wird seit drei Jahren vom Abt Shi Yongxin geleitet. Er ist gleichzeitig Mitglied des Volksdeputiertenkongresses, bekleidet also auch ein hohes politisches Amt. Er ist in der Bevölkerung nicht unumstritten, weil er seine Ausbildung nicht im Tempel selber erhalten hat. Vielmehr ist er von außen eingesetzt worden und hat einige tiefgreifende Veränderungen im Tal von Shaolin herbeigeführt. Sein Ziel ist die Anerkennung des Shaolin-Tempel als Weltkulturerbe. Auf diese Weise würde sich die Unesco an den erheblichen Renovierungs- und Wiederherstellungsaufwendungen beteiligen.

Der Tempel und der Mönchsorden Shaolin müssen sich heute selbst unterhalten. Die Gemeinschaft besteht derzeit aus etwa 60 Personen, Meistern und Schülern. Sie alle haben sich dem Chan-Buddhismus verschrieben und arbeiten an der eigenen Erleuchtung.

Die Tempelgebäude sind in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder verwüstet worden, auch haben einige Brände den Holzgebäuden neben dem normalen Verfall schwer zugesetzt. Seit einigen Jahren renoviert die Ordensgemeinschaft aus eigenen Kräften die Gebäude. Dabei entstehen hohe Kosten, weil Holz in China eine echte Kostbarkeit ist. Außerdem wird versucht, die neuen Gebäudeteile als Kopien in gleicher handwerklicher Qualität herzustellen.

       

Der Shaolin-Tempel um 1920                                                           Der Shaolin-Tempel heute. Mit im Bild: Shi Yongxin

     

Übersicht des Tempels, entstanden 2000.    

 

Die wirtschaftliche Seite

Der Tempel erhält einen Anteil aller Eintrittsgelder, die von der Tourismusbehörde eingenommen werden. Außerdem kommen seit einigen Jahren erhebliche Spendengelder hinzu, seit sich die Menschen wieder zur Religion hinwenden. Für Gläubige und Touristen hält der Tempel in eigenen Shops allerlei Devotionalien, religiöse Alltagsgegenstände, Medien zum Selbststudium des Buddhismus und der Kampfkünste sowie Bekleidung und Trainings- und Schmuckwaffen bereit. Darüber hinaus gehören ein kleines Hotel mit Restaurant und Räumen für Vorführungen und Kampfkunsttraining sowie eine 5.000 Zuschauer fassende Arena zum Tempel. Traditionell sind die Mönche auch in Ausbildung und Lehre engagiert, darüber hinaus findet jährlich eine Tournee der besten Kampfkünstler statt, die für weitere Einnahmen sorgt. Zur Zeit arbeitet der Abt Shi Yong Xin daran, die weltweiten Vermarktungsrechte an allem zu erhalten, das den Namen "Shaolin-Tempel" oder "Shaolin-Kloster" trägt.

 

Der Mythos

Spätestens seit der ersten Verfilmung der Tempelgeschichte mit Jet Li als Hauptdarsteller (1982) werden die Shaolin-Mönche von ihren Fans in den Status von Halbgöttern erhoben. Tatsächlich sind ihre physischen und mentalen Leistungen erstaunlich, mit guten körperlichen Anlagen und Trainingsfleiß allerdings erklärbar. Auch in anderen Bereichen wie der Peking-Oper und dem Zirkus werden in China Höchstleistungen erbracht.