1999
Impressionen der ersten Reise
In der Galerie bieten wir Euch hauptsächlich Bilder aus Shaolin an, weitere Fotos findet Ihr bei den Reiseberichten Wir kamen mit dem Bus über die Hauptstraße - links und rechts gesäumt von Läden, Restaurants, kleinen und größeren Kung-Fu Schulen.

Unser Hotel war von Beginn an das Shaolin Wushu Hotel, trainiert haben wir im Wushu Guan. Errichtet anfangs der 80er Jahre hatte er schon ziemlich gelitten - ein deutliches Zeichen, daß er intensiv genutzt wurde. Am ersten Nachmittag zettelten unsere Jungs ein Fußballspiel gegen einige junge Chinesen an. Sprungeinlagen, Salti und das Umlaufen des Gegners an der schrägen Begrenzungsmauer, auch das Ergebnis von 13:1 waren deutliche Hinweise darauf, dass es keine Straßenjungs waren, sondern ........ Meisterschüler des Tempels!

Der Aufstieg auf den Shao Shan führte uns vorbei am Shaolin Frauenkloster, in dem der Legende nach eine Nonne für eine junge Frau den Selbstverteidigungsstil Wing Chun entwickelt hat. Wir trafen dort nur einige ältere Nonnen an, die uns schleunigst wieder vor das Haupttor begleiteten. Bis heute ist das Frauenkloster nicht wieder allgemein zugänglich. In früheren Jahren hat es die hauswirtschaftliche Versorgung der Mönche des Shaolin-Tempel übernommen. Das Haupttor wird links und rechts von zwei 1500 Jahre alten, geschnitzten Jadesäulen flankiert - einer der großen Schätze des Shaolin Tales.
Neben der Treppe, die den Berg hinauf führt zur Statue Bodidharmas, läßt es sich gut ausruhen und die schöne Aussicht auf den gegenüber liegenden Song Shan genießen. Ich fragte mich, ob Bodidharma wirklich oben auf dem Berg in einer Höhle oder vielleicht auch auf halber Höhe auf einem Stein sitzend meditiert hat.

Im Tal besuchten wir den "Stelenwald", ein Friedhof für Äbte und hochgestellte Mönche, deren Asche hier begraben liegt. Für die gemeinen Mönche gibt es eine "Gemeinschaftspagode", in der die Asche drei Tage nach dem Tode ruht, um den Angehörigen Gelegenheit zum Abschied zu geben.
Viele von uns nutzten die Gelegenheit, hier Erinnerungsfotos zu schießen. Wie wir an einem der hohen Feiertage (ähnlich unserem Fronleichnamstag) feststellten, verhielten sich die chinesischen Tagesbesucher genauso. Sie schmückten allerdings auch die Stupas mit weißen Trauertüchern.

Unser erster Besuch im Shaolin-Tempel fand am späten Nachmittag statt, als die Sonne schon tief stand und sich eine friedliche Stimmun breit machte. Wir hatten Gelegenheit, uns in Ruhe umzusehen und Gespräche mit Novizen und älteren Mönchen zu führen. Mich nahm die Altehrwürdigkeit der geschichtsträchtigen Gebäude gefangen, wohl wissend, daß die modernen Zeiten vor den Tempeltüren nicht halt machen würden.

Während des Trainings erhielten wir immer wieder einmal Besuch. So lernte ich den Leiter der Showtruppe kennen und Xiao Long, den "kleinen Drachen", der zusammen mit meinem buddhistischen Lehrmeister Shi Wanheng auf der ersten Auslandstournee die Zuschauer berührte und beeindruckte.

Natürlich haben wir fleißig trainiert, wir wollten uns die einmalige Gelegenheit ja nicht entgehen lassen. Bis zum Sonnenuntergang wiederholten wir wieder und wieder die erlernten Bewegungsabläufe. Von Zeit zu Zeit besuchten uns chinesische Schüler des Wushu Guan, um uns zu beobachten oder auch Tipps zu geben. Zum Glück brauchen Kampfkünstler dazu keine Worte.
Abends dann suchten wir von Zeit zu Zeit den alten Bauern vor der Eingangstreppe des Wushu Guan auf, der dort gegrilltes Lammfleisch auf Spießen anbot, die wir mit Dosenbier aus Qingdao herunterspülten. Manchmal gingen wir dann auch zum Tanzen und Karaokesingen in die Disco - immerhin ließen sich dort auch Kontakte knüpfen.
